Mathematischer Ort des Monats September 2020
Grabdenkmal für Joachim Georg Darjes in Frankfurt (Oder)
von Wolfgang Volk
 
Grabdenkmal fuer Joachim Georg Darjes
Grabdenkmal für Joachim Georg Darjes und seiner zweiten Gemahlin Martha Friderica (im Hintergrund die Lindenstraße)
 
Im heutigen Park an der St.-Gertraud-Kirche sind noch heute einige Grabstätten aus der Zeit erhalten, als dieses Areal als Kirchhof genutzt wurde. Zu diesen zählt auch das Grabdenkmal für Joachim Georg Darjes und dessen zweiter Gemahlin Martha Friderica geborene Reichardt.
Auf den ersten Blick hat J. G. Darjes mit dem Fach „Mathematik“ gar nicht viel zu tun. Wie man den Quellen entnehmen kann (siehe [3])
  • studierte er ab 1731 in Jena Philosophie, Mathematik und Kirchengeschichte,
  • wurde er im Jahr 1739 als Doktor der Jurisprudenz in Jena promoviert,
  • war er Schüler des Universalgelehrten, Juristen, Mathematikers und Philosophen Christian Wolff,
  • wechselte er 1763 dem Ruf Friedrich II. folgend an die Universität Viadrina in Frankfurt (Oder)1), wo er die Kameralwissenschaft einführte.
Aber J. G. Darjes verfasste auch zwei Bücher mit mathematischem Inhalt:
  • Erste Gründe der gesamten Mathematik darinnen die Haupt-Theile sowohl der theoretischen als auch praktischen Mathematik in ihrer natürlichen Verknüpfung auf Verlangen und zum Gebrauch seiner Zuhörer entworfen, erschienen bei Christian Heinrich Cuno, Jena, 1758 [1] und
  • Gründliche Anweisung zur Rechenkunst: darinnen nach einer ganz leichten und neuen Art vollständig und hinlänglich mit und ohne Brüche zu rechnen gezeiget wird, den Anfängern zum Besten, zusammen mit Johann Sebastian Pabst, erschienen bei Christian Heinrich Cuno, Jena, 1764
Das Grabmal wurde vom Bildhauer Johann Gottfried Schadow entworfen und im Jahr 1796 errichtet.
Grabdinschrift
steinerne Urne und obere Inschrift
 
Auf dem podestartigen Unterbau des Grabdenkmals befindet sich eine Stele, flankiert von zwei weiblichen Figuren. Die Stele wird von einer steinernen Urne bekrönt, die selbst ein Porträt2) von J. G. Darjes zeigt. Im oberen Bereich der Stele ist der lateinische Text
„Philosophia obiter libata a Deo abducit penitus hausta ad Deum reducit“3),
was sich sinngemäß wie folgt
„Wer sich der Philosophie leichthin ein wenig
widmet, den führt sie von Gott weg -
wer sie vollkommen aufnimmt, den
führt sie zum (selben) Gott zurück.“
ins Deutsche übersetzen4)5) lässt.
Inschrift fuer Joachim Georg Darjes
Inschrift für Joachim Georg Darjes
Inschrift fuer Martha Friderica Darjes geborene Reichardt
Inschrift für Martha Friderica Darjes geborene Reichardt
 
An der Frontseite des Postaments sind zwei Mamortafeln eingelassen, welche die Namen der hier Bestatteten benennen und deren Lebensdaten wiedergeben – Zahlen sind mit römischen Ziffern angegeben:
Ioachim Georg Daries
geboren
den XXIII Iunius MDCCXIV
gestorben
den XVII Iulius MDCCXCI
Martha Friderica Reichardt
geboren
den XII Maerz MDCCXXXIX
gestorben
den XXIX August MDCCXCIV
(Da die Inschriften mittlerweile teilweise von Efeu zugewachsen sind, sind sie nochmals lesbar wiedergegeben.) Der genaue Wortlaut konnte früheren Fotografien entnommen werden. Es mutet allerdings seltsam an, dass die Monatsnamen teils in lateinischer teils in deutscher Sprache angegeben sind.
Nahe der Grabstätte der Eheleute Darjes befindet sich eine Informationstafel zu einem Rundwanderweg, der sogenannten Heinrich-von-Kleist-Route. Dort ist auch das Darjes'sche Grabmal erwähnt. Der hauptsächliche Fokus des Texts liegt allerdings auf der benachbarten Grabstätte eines Großonkels von Heinrich von Kleist sowie auf dem gegenüber liegenden Denkmal.
Informationstafel
die Informationstafel zwischen den beiden Grabmalen und dem Denkmal
 
Das Grabdenkmal von Joachim Georg Darjes findet am leichtesten, wenn man vom Denkmal für Heinrich von Kleist lotrecht auf die Lindenstraße zuläuft. Von der Gertraudenkirche aus gesehen, liegen das Grabdenkmal und das Denkmal etwa in gleicher Entfernung. Oder anders ausgedrückt: Wenn man die Informationstafel so sieht, wie sie auf der vorstehenden Fotografie wiedergegeben ist, so liegen die Grabstätten von den Eheleuten Darjes und von Ewald Christian von Kleist zur Rechten und das Denkmal für Heinrich von Kleist gut wahrnehmbar zur Linken.
Denkmal fuer Heinrich von Kleist
das Denkmal für Heinrich von Kleist
 
Gertraudenkirche
die Gertraudenkirche, vom Denkmal für H. von Kleist aus gesehen
 

Referenzen

[1]   Joachim Georg Darjes: Erste Gründe der gesamten Mathematik darinnen die Haupt-Theile sowohl der theoretischen als auch praktischen Mathematik in ihrer natürlichen Verknüpfung auf Verlangen und zum Gebrauch seiner Zuhörer entworfen, Christian Heinrich Cuno, Jena 1758
[2]   Joachim Georg Darjes und Johann Sebastian Pabst: Gründliche Anweisung zur Rechenkunst: darinnen nach einer ganz leichten und neuen Art vollständig und hinlänglich mit und ohne Brüche zu rechnen gezeiget wird, den Anfängern zum Besten, Christian Heinrich Cuno, Jena 1764
[3]   Philipp Schaff: Geschichte der Christlichen Kirche von ihrer Gründung bis auf die Gegenwart, Band 1: Die apostolische Kirche, Selbstverlag des Verfassers, Mercersburg Pennsylvania, USA, 1851
[4]   Wikipedia: Joachim Georg Darjes
[5]   Wikipedia: Liste der Denkmäler in Frankfurt (Oder)
 

Bildnachweis

alle Bilder   Wolfgang Volk, Berlin, Juni 2020
 

1) Die Universität Viadrina wurde 1506 gegründet und nach mehr als 300 Jahren 1811 geschlossen beziehungsweise mit der Universität Breslau vereinigt. Eine Neugründung der Europa-Universität Viadrina erfolgte im Jahr 1991 kurz nach der Wiedervereinigung beider deutscher Staaten.
2) Es handelt sich dabei um ein anderes Porträt als das, was am J.-G.-Daries-Haus und im Lennépark nahe dem Karl-Marx-Denkmal zu finden ist.
3) Gemäß [3, S. 13] geht diese Aussage auf Francis Bacon, auch Baco von Verulam genannt (nicht zu verwechseln mit dem Maler Francis Bacon) zurück. In dieser Quelle ist der Ausspruch, so wie er auf dem Grabdenkmal wiedergegeben ist, noch um die Worte "ad eundem" ergänzt, was in der oben angegebenen Übersetzung des Zitats zu dem in Klammern eingeschlossenen Zusatz führt.
4) Die Übersetzung des lateinischen Textes wurde von Anica Jahning aus Berlin vorgenommen.
5) Prof. Eberhard Knobloch wies den Autor darauf hin, dass der Text Metaphern des Lateinischen enthält und die Übersetzung „Die obenhin (im Sinne von flüchtig, oberflächlich, beiläufig) gekostete Philosophie führt von Gott weg, die völlig ausgetrunkene führt zu (demselben) Gott zurück.“ den Wortlaut wiedergibt.