Mathematischer Ort des Monats Juli 2026
Medaillons am Kaiserlichen Postfuhramt in Berlin-Mitte
von
Wolfgang Volk
Das stattliche Gebäude des ehemaligen Kaiserlichen Postfuhramts befindet sich in der
Oranienburger Straße (unmittelbar am gleichnamigen S-Bahnhof),
dort wo diese von der Tucholskystraße gekreuzt wird. Der seit 1975 unter Denkmalschutz
stehende Backsteinbau ist mit reichlich Schmuckwerk versehen. Insbesondere fallen eine ganze
Reile von Terrakotta-Medaillons mit Porträts zwischen dem Erd- und dem 1. Obergeschoss auf,
die Persönlichkeiten würdigen, die sich um das Post- und Nachrichtenwesen verdient
gemacht haben (so die Ausführungen in [5]). Dazu gehören etliche Postmeister,
aber auch eine ganze Reihe von Wissenschaftlern – unter anderem der Mathematiker
Carl Friedrich Gauß
(1777-1855).
Für seine Berücksichtigung in dieser Galerie dürften weniger seine Leistungen
zu mathematischen Themen gewesen sein – so genau weiß man das aber
eigenlich gar nicht –, als sein Beitrag zur Erfindung des elektromagnetischen Telegrafen,
eine Entwicklung, die er zusammen mit dem Physiker
Wilhelm Eduard Weber (1804-1891)
erbrachte [3].
Letzterer wird allerdings in der Galerie der Terrakotta-Medaillons nicht berücksichtigt;
dafür aber einige jener Wissenschaftler, welche die Grundlagen der Elektrizität
entdeckten, erforschten und entwickelten, wie
- Luigi Galvani (1737-1798), der durch Experimente mit Froschschenkeln die Kontaktelektrizität entdeckte,
- Alessandro Volta (1745-1827) gilt als Erfinder der Batterie (Volta'sche Säule),
- Benjamin Franklin (1706-1790) gilt als Erfinder des Blitzableiters,
- Hans Christian Ørsted (1777-1851) entdeckte 1820 die magnetische Wirkung des elektrischen Stroms,
- Werner von Siemens (1816-1892) entdeckte das dynamoelektrische Prinzip und gilt als Begründer der modernen Elektrotechnik insbesondere der elektrischen Energietechnik
- Samuel Morse (1791-1872) entwickelte ab 1837 einen Schreibtelegrafen und ist durch die nach ihm benannte Codierung (Morse-Alphabet) bekannt,
- Carl August von Steinheil (1801-1870), dessen Beiträge in [2] gewürdigt werden.
Es seien hier noch einige ergänzende Anmerkungen zu C. A. von Steinheil gestattet:
Von Steinheil begann 1821 in Erlangen das Studium der Rechte, entwickelte aber eine Vorliebe für das mathematisch-naturwissenschaftliche Fach und wechselte zunächst nach Göttingen und – da C. F. Gauß keine Vorlesungen hielt – an die Universität im ostpreußischen Königsberg, um bei Friedrich Wilhelm Bessel (1784-1846) Astronomie und Physik zu studieren. Sein Studium schloss er am 12. Oktober 1825 mit der Promotion ab (Titel der Dissertation: „De specialibus coeli chartis elaborandis“) [1]. Bessel und von Steinheil korrespondierten noch lange Jahre miteinander2). C. A. von Steinheil wurde 1835 zum Konservator der mathematisch-physikalischen Sammlung des (bayerischen) Staates ernannt und gleichzeitig als Professor für Mathematik und Physik an die Ludwig-Maximilians-Universität München berufen.
Von Steinheil begann 1821 in Erlangen das Studium der Rechte, entwickelte aber eine Vorliebe für das mathematisch-naturwissenschaftliche Fach und wechselte zunächst nach Göttingen und – da C. F. Gauß keine Vorlesungen hielt – an die Universität im ostpreußischen Königsberg, um bei Friedrich Wilhelm Bessel (1784-1846) Astronomie und Physik zu studieren. Sein Studium schloss er am 12. Oktober 1825 mit der Promotion ab (Titel der Dissertation: „De specialibus coeli chartis elaborandis“) [1]. Bessel und von Steinheil korrespondierten noch lange Jahre miteinander2). C. A. von Steinheil wurde 1835 zum Konservator der mathematisch-physikalischen Sammlung des (bayerischen) Staates ernannt und gleichzeitig als Professor für Mathematik und Physik an die Ludwig-Maximilians-Universität München berufen.
Selbstverständlich werden mit den Terrakotta-Medaillons auch eine ganze Reihe von
Postmeistern gewürdigt. Daneben auch
James Watt (1736-1819), der wesentlich zur
Weiterentwicklung der Dampfmaschinen beitrug (und damit oft fälschlicherweise als deren
Erfinder bezeichnet wird), und
George Stephenson (1781-1848),
unter dessen Leitung 1825 die erste öffentliche Eisenbahn eingeweiht
wurde3). Mit dem Ausbau des Eisenbahnwesens wurde der
jahrhundertelange Einsatz von Postkutschen als einziges Beförderungsmittel von Personen,
Postsachen und Waren auch über größere Entfernungen zurückgedrängt.
Zu etlichen anderen Persönlichkeiten, die durch ihre Berücksichtigung in der
Galerie der Medaillons eine Ehrung erfahren, erschließt sich deren Einfluss auf das Postwesen
(so wie es in [5] formuliert ist) nicht oder nicht unmittelbar – zum Beispiel bei
Nikolaus Kopernikus
(1473-1543).
Referenzen
| [1] | Robert Knott: Steinheil, Karl August, in: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB), Band 35, Duncker & Humblot, Leipzig 1893, S. 720-724 | |
| [2] | Hugo Marggraf: Carl August Steinheil und sein Wirken auf telegraphischem Gebiete, Gedenkchrift zum fünfzigjährigen Jubiläum der Entdeckung der Erdleitung, Bayerisches Industrie- und Gewerbeblatt, hrsg. v. Polytechnischen Verein in München, 1888 | |
| [3] | Wikipedia: Gauß-Weber-Telegraf | |
| [4] | Wikipedia: George Stephenson | |
| [5] | Wikipedia: Postfuhramt |
Bildnachweis
| alle Fotos | Wolfgang Volk, Berlin, Mai 2026 |
1) Auch wäre wieder Werner von Siemens zu nennen,
er gründete 1847 zusammen mit mit dem Mechaniker Johann Georg Halske die Telegraphen
Bau-Anstalt von Siemens & Halske in Berlin.
2) Dieser Briefwechsel wurde 1913 im Auftrag der
königlichen Akademien der Wissenschaften zu Berlin und München als Buch
herausgegeben.
3) Er gilt allerdings nicht als Erfinder der
Dampflokomotive (siehe [4])!



