Mathematischer Ort des Monats März 2026
Sitzbild von Archimedes in Berlin-Treptow
von
Wolfgang Volk
Bereits im Januar des Jahres 2017 war die
Archenhold-Sternwarte,
die älteste Volkssternwarte Deutschlands und im Treptower Park gelegen,
mathematischer Ort des Monats1).
Nun kann man sich gut vorstellen, dass so eine Einrichtung – gerade auch,
wenn sie nicht ausschließlich als Forschungseinrichtung dient, sondern primär der
Volksbildung – eine eher stattliche Sammlung mathematisch interessante Objekte
zu bieten hat, als dass sie alle gleichzeitig in einem Beitrag angemessen ausführlich
vorgestellt werden könnten. Aus diesem Grund sind die nachfolgenden Ausführungen
auf ein Detail zu einer Persönlichkeit beschränkt, die – soweit bekannt
ist – mit Astronomie eher nicht in Zusmmenhang gebracht wird, wohl aber mit
Mathematik, Mechanik und dem Ingenieurgeist: Auf dem Freigelände der Archenhold-Sternwarte
findet man unter anderem eine Skulptur (in diesem Fall ein Sitzbild) des antiken Gelehrten
Archimedes (um 287 v. Chr.-212
v. Chr.). Aus mathematischer Sicht scheint dabei wesentlich, dass Archimedes die Kreiszahl
π zwischen den Brüchen 220/70=3.142857... und 220/71=3,098... verortete, wobei erkennbar
der erstgenannte Wert der Kreiszahl recht nahekommt, weshalb man (oft, meist im schulischen Umfeld)
näherungsweise mit 22/7=220/70 rechnet2).
Im Jahr 2005, als das oben wiedergegebene Bild entstand, war das Freigelände der
Archenhold-Sternwarte noch nicht eingezäunt, die Skulptur also frei zugänglich.
Sie ist auf einem niedrigen Sockel aus zwei Granitplatten montiert.
In der rechten Hand hält die Skulptur einen Griffel worunter der Name
„Archimedes“ – allerdings aus Sicht des Schreibenden auf dem Kopf
stehend3) – in Majuskeln zu lesen ist.
Es ist bekannt, dass dieses Sitzbild dem Künstler
Gerhard Thieme zu verdanken ist.
In [2] wird dargelegt, dass diese Skulptur erstmals 1969 in einer Bezirkskunstausstellung
sowie zwei Jahre später in der Ausstellung
„Plastik und Blumen im Treptower Park“ zu sehen war und noch im gleichen Jahr von
der Archenhold-Sternwarte erworben wurde.
Es sind von diesem Sitzbild noch drei weitere Abgüsse bekannt, zu zweien von ihnen seien
nachstehend noch einige Anmekungen und jeweils eine fotograsche Wiedergabe gestattet.
Einer dieser Abgüsse wurde in Güstrow (etwa 40 km südlich
der Hansestadt Rostock gelegen und seit 2006 den Namenszusatz
„Barlachstadt führend“)
im Jahr 1979 im Zentrum der Altstadt auf dem Markt nördlich der
Pfarrkirche
St.-Marien aufgestellt. Dies geschah im Zusammenhang mit dem 1978 begangenen Stadtfest zum
750. Jahrestag der ersten urkundlichen Erwähnung [5] der Stadt.
Einen weiteren Abguss findet man auf dem Campus der Otto-von-Guericke-Universität
im Ortsteil Alte Neustadt (derzeit) unmittelbar bei der Universitätsbibliothek.
Ursprünglich hatte diese Skulptur etwa 50 m weiter nördlich ihres jetzigen Standorts,
dort wo heute das Carnot-Gebäude steht (die fotografischen Aufnahmen in [4] zeigen sie im
Jahr 2007 am damaligen Standort. Es ist davon auszugehen, dass sie im Zuge der Bauarbeiten
versetzt wurde. Eine hölzerne Unterlage lässt den Schluss zu, dass es sich nicht
um die endgültig vorgesehenee Position handelt – aber man weiß ja,
dass Provisorien durchaus eine längere Lebensdauer beschieden ist.
Dieser Bronzestatue ist eine kleine Tafel zugeordnet, sie weist folgenden Text aus:
A R C H I M E D E S
Störe meine Kreise nicht
Professor GERHARD THIEME
1978
Störe meine Kreise nicht
Professor GERHARD THIEME
1978
Der Legende nach soll Archimedes die Einnahme der Stadt Syrakus (auf Sizilien),
die damals noch zu
Großgriechenland gehörte,
durch die Römer mit sehr einfallsreichen Konstruktionen herausgezögert haben.
Ferner soll er zum römischen Legionär, der ihn letzten Endes erschlug,
bezugnehmend auf seine Zeichnung, die er in den Sand gemalt hatte, gesagt haben:
„Noli turbare circulos meos“, was dem Original der Aussage
„Störe meine Kreise nicht“ entspricht. Dies erklärt die Inschrift des
Täfelchens.
Es ist bekannt, dass auf dem Gelände der
Regelschule
des Städtchens Ellrich im Südharz ein weiterer Abguss der Skulptur aufgestellt ist.
Der Erzählung in [3] gemäß wurde bereits 1965 ein Guss der Skulptur des
„Archimedes“ zur Ausstattung eines Studentenhauses nach Würzburg geliefert.
Dazu sind allerdings keine weiteren Belege oder Hinweise zu finden.
Dies wäre das älteste Exemplar der Skulptur, was in gewissem Sinn den
obigen Ausführungen zum Abguss in Berlin-Treptow in [2] widerspricht.
Referenzen
| [1] | Friedrich Gustav Gauß: Vierstellige logarithmische und trigonometrische Tafeln, kleine Schulausgabe, hrsg. von Dr.-Ing H. H. Gobbin, 211-220. Aufl., Verlag Konrad Wittwer, Stuttgat, 1965 | |
| [2] | Susanne Kähler und Nicola Vösgen: Archimedes, Bildhauerei in Berlin (BiB), Informationsplattform zu plastischen und skulpturalen Werken der bildenden Kunst auf dem Gebiet des Landes Berlin | |
| [3] | Jörg Kirchner: Der deutsch-deutsche Archimedes – von Berlin über Würzburg nach Güstrow, Denkmal des Monats April 2021, Landesamt für Kultur und Denkmalpflege, Mecklenburg und Vorpommern | |
| [4] | Wolfgang Volk: Denkmal von Archimedes in Magdeburg, Exponat der virtuellen Ausstellung Zeugnisse zu Mathematikern | |
| [5] | Wikipedia: Güstrow |
Bildnachweis
| Sitzbild in Berlin Treptow | Wolfgng Volk, Berlin, März 2005 | |
| Sitzbild in Güstrow | Wolfgang Volk, Berlin, August 2010 | |
| Sitzbild in Magdeburg | Wolfgang Volk, Berlin, August 2022 |
Allerdings werden die Lagepläne sukzessive im gleichen Fenster/Tab zur Anzeige gebracht.
1) Dies ging mit einem
Quartalsvortrag vor Ort und einer
Vorführung des Riesenfernrohrs am 10. Januar 2017 einher.
2) Normalerweise kann man die Genauigkeit von
Brüchen als Näherungswerte an der Anzahl der Dezimalstellen von Zähler und Nenner
ablesen: Bei 220/70 (zweistelliger Nenner) also gerade mal 3,1 mit einer Nachkommastelle.
Tatsächlich stimmenen bei 22/7 die ersten 3 Ziffern mit dem exakten Zahlenwert von π
überein. Beim Quotienten 355/113=3.14159292... würde man entsprechend auch nur eine
Genauigkeit von drei Dezimalziffern erwarten – in Wirklichkeit sind es in diesem Fall 7!
Der Wert der Zahl π lautet 3,14159265358979...
Der Quotient 355/113 als Näherungswert von π geht auf
Adriaan Metius
zurück (siehe auch [1, S. 24]).
3) Neuere fotografische Aufnahmen (siehe [2]) legen nahe,
dass in der Zwischenzeit Figur und Sockel zueinander um 90˚ gedreht wurden, der Name
„Archimdes“ in der Nähe des rechten Fußes der Skulptur zu finden ist.


