Mathematischer Ort des Monats Februar 2026
Tafel für Johann Gottfried Galle in der Lutherstadt Wittenberg
von
Wolfgang Volk
Am Gebäude der Alten Lateinschule in Wittenberg findet man die oben wiedergegebene Tafel,
die dem Mathematiker und Astronomen
Johann Gottfried Galle gewidmet
ist und benennt, dass dieser hier die Schule besuchte. Der Tafeltext lautet:
Johann Gottfried Galle
(1812 - 1910)
Entdecker des Planeten Neptun
Schüler hier von 1825 - 1830
(1812 - 1910)
Entdecker des Planeten Neptun
Schüler hier von 1825 - 1830
J. G. Galle wird hier als Entdecker des Planeten Neptun genannt, ein Umstand dem im
Wesentlichen seine Bekanntheit zu verdanken ist – die ganze
Geschichte hierzu ist in [6] nachzulesen (siehe auch [7, letztes Bild]). Er wurde im Pabsthaus – das im
Waldstück Pabst liegt, zum Ort
Radis gehört und etwa 16 km
südwestlichlich von Wittenberg liegt – geboren.
Nach seinem Schulabschluss studierte J. G. Galle an der Berliner Friedrich-Wilhelms-Universität
unter anderem auch Mathematik.
Diese Art von Emailletafeln (wie oben abgebildet) findet man an zahlreichen Gebäuden in der
Alstadt Wittenbergs1), sie sind in [4] dokumentiert.
Weitere Tafeln an der nachstehend wiedergegebenen Hausfront der Alten Lateinschule nennen
Friedrich Brandt
(1802-1879, siehe auch [4, S. 24]), der hier als Mediziner, Zoologe und Naturforscher
sowie als Schüler in den Jahren von 1818-22 ausgewiesen
wird2), und
Simon Dach (1605-1659, siehe auch
[4, S. 35]), der als volkstümlicher Liederdichter bezeichnet wird und von 1620 bis 1622
hier die Schulbank drückte3).
Andere Quellen [8] nennen auch den Leibarzt der sächsischen Kurfürsten und Sohn von
Martin Luther,
Paul Luther (1533-1593) und
den Physiker
Wilhelm Eduard Weber (1804-1891)
als Absolventen dieser Bildungsanstalt.
Die Alte Lateinschule befindet an der nördlichen Seite des
Kirchplatzes, in dessen Mitte die monumentale Stadtkirche St.-Marien, in der auch der Reformator
Martin Luther predigte, errichtet ist.
Ihr Bau wurde im Juli 1564 begonnen, bezüglich ihrer Eröffnung gibt es unterschiedlich
Angaben (vergleiche [3], [5] und [8]).
Um 1827/28 wurde das Schulgebäude erweitert und diente fortan bis zum Jahr 1888 als Gymnsium.
Heute beherbergt es das Lutherische Studien- und Begegnungszentrum.
Zum Kirchplatz hin besitzt es ein repräsentatives und aufwändig geschmücktes Portal,
über dem – nebst Verzierung mit mehreren Wappen – eine Inschrift in
lateinischer Sprache zu lesen ist. Sie zeigt nach zwei Bibelzitaten
(Die Sprüche Salomos 2.2 und Brief des Paulus an die Kollosser 2.3) die
Information (übernommen aus [2] und mit einer kleinen
Korrektur4) versehen):
Im Jahre 1564 im Monat Juli
wurde der Bau dieser Schule begonnen, in welcher Zeit der hochberühmte Fürst
August von Sachsen des heiligen römischen Reiches Kurfürst etc. diese Lande regierte,
der durch seine Freigiebigkeit zu diesem Bau verhalf. Der Pfarrer dieser Kirche war: D.
Paul Eber aus Kitzingen und
der Bürgermeister dieser Stadt Herr Thomas Heilinger.
Den Quellen nach wurde der gleichnamige älteste Sohn von Paul Eber (erster?) Rektor der
Lateinschule.
Referenzen
| [1] | Julius Dick: Galle, Johann Gottfried, in: Neue Deutsche Biographie 6 (1964), S. 47f | |
| [2] | Richard Erfurth: Hausinschriften in Wittenberg, in: Dobiener und Wittenberger Geschichte und Geschichten, historische Texte, Geschichten und Bilder – Dobien5) und Nachbargemeinden | |
| [3] | Selbständige evangelisch-lutherische Kirche: Alte Lateinschule in Wittenberg | |
| [4] | Elke Strauchenbruch: WER WAR WO in Wittenberg? Wissenswertes zu 124 Gedenktafeln, 2. überarbeitete und erweiterte Auflage, Drei Kastanien Verlag, Wittenberg, 2017, ISBN: 978-3-933028-80-8 | |
| [5] | Mathias Tietke: Neues Leben in alter Lateinschule | |
| [6] | Wolfgang Volk: Tafel für Johann Gottfried Galle und Urbain Jean Joseph Le Verrier in Berlin-Kreuzberg, mathematischer Ort des Monats Oktober 2023 | |
| [7] | Wolfgang Volk: Ausstellung „Georg Joachim Rheticus (1514‒1574) und die astronomische Forschung in Wittenberg“, mathematischer Ort des Monats Februar 2025 | |
| [8] | Wikipedia: Altes Gymnasium (Lutherstadt Wittenberg) | |
| [9] | Wikipedia: Johann Gottfried Galle |
Bildnachweis
| alle Fotos | Wolfgang Volk, Berlin, Februar 2025 |
1) Etliche bilden ebenfalls mathematische Orte
dieser Reihe, wie die Tafeln zu
Tycho Brahe,
Erasmus Reinhold, jene im Innenhof des
Friedricianums und etliche andere.
2) Es gibt bezüglich der Zeitangaben auf der Tafel
und im bereffenden Wikipedia-Artikel Differenzen, die wohl nicht mehr aufzulösen sein
werden.
3) Von seiner weltlichen Lyrik hat nur
„Anke van Tharaw“ die Zeit überdauert; Johann Gottfried Herder übertrug
später sein ursprünglich in niederdeutscher Sprache verfasstes Lied in die hochdeutsche
Form, in der es heute bekannt ist:
Ännchen von Tharau.
Ein kurzer Reim von ihm soll hier auch wiedergegeben sein:
„Der Mensch hat nichts so eigen,
so wohl steht ihm nichts an,
als daß er Treu erzeigen
und Freundschaft halten kann.“
so wohl steht ihm nichts an,
als daß er Treu erzeigen
und Freundschaft halten kann.“
4) Die Korrektur betrifft den Geburtsort von Paul Eber,
der nicht Kitingen, sondern Kitzingen (in Unterfranken) lautet.
5) Dobien ist heute ein Ortsteil der Lutherstadt
Wittenberg nördlich der Altstadt.


